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Archiv für die Kategorie ‘Schweinebraten’

Schweinebraten

3. März 2006 Kommentare ausgeschaltet

Im Ofen gebratene Stücke Fleisch lassen meinen Mut immer sinken, die offizielle Bezeichnung „bei trockener Hitze garen“ ist auch nicht hilfreich. Ist es gar oder schon Trocken, schlimmer noch, ist es angebrannt und innen roh? Wie soll man das feststellen ohne teures Gerät oder anschneiden? Flüssigkeit und/oder Fett angießen?
Ich habe auch keine Lösung und mich trotzdem getraut (Anweisungen aus Büchern kann ich mir nie merken). Heraus kam: Pro Kilo eine Stunde bei 180 Grad mit etwas Wasser.

07_12_08d.jpg Zutaten
1 so genannter Schweinekrustenbraten (1,8 kg) || Salz, Pfeffer, Senf, Olivenöl, Wasser

Vorgehenstelegramm
Ofen vorheizen || Schwarte rautenförmig einschneiden || aus Olivenöl, Senf, Salz und Pfeffer eine Paste anrühren und auf die Schwarte schmieren || Schwartenseite nach unten in den Ofen für die Hälfte der Zeit || umdrehen und die zweite Hälfte der Zeit fertig garen und die Schwarte zur Kruste backen.

Grundsätzliche Gedanken
Ist er nun gar? Die Mutter aller Bratenfragen kann am ehesten mit einem Schaschlikspieß beantwortet werden: In der Mitte in die die Mitte des Bratens stechen (also den Kern) den Spieß so fünf Sekunden drin lassen und rausziehen. Nun gibt es zwei Merkmale:
1. Nadel an die Unterlippe – ist es heiß, herrschen drinnen Temperaturen, die auf „gar“ schließen lassen
2. Aus dem Einstich quillt Flüssigkeit – ist sie klar, ist es gar (schöner Lehrsatz), ist sie rosa oder blutig muss noch weiter gebraten werden.
Sind Sie völlig am zweifeln, schneiden Sie den Braten in der Mitte bis zum Kern auf und sehen Sie nach. Was soll’s?
So ein Braten ist ja quasi Kulturgut, leider auch aus der Mode gekommen. Ja, es braucht Zeit und ein wenig Glück. Aus meiner Sicht ist gerade der Schweinebraten nicht mehr wirklich mit der modernen Gesellschaft vereinbar – Familienmahlzeiten, Sonntagsbraten, Kalorienbewusstsein und so weiter. Schade eigentlich, denn im Prinzip liegt das Fleisch selber ja nur im Ofen rum und gart alleine. Das Fett vom Schwein … nun, dann und wann einmal geht schon, außerdem muss man ja die Schwarte/Kruste nicht essen. Und wer gerade keine Familie oder Freunde zur Hand hat, kann die Reste ja wiederverwenden – siehe unten.
Der Aufwand hängt hier eigentlich von den Beilagen ab und die kann man ja selbst bestimmen.

Gutmütigkeiten
Klar, ein Braten ist eher heikel als gutmütig, das habe ich hier schon mehrfach erwähnt. Im Prinzip hat man aber auch hier eine Zeitspanne von 30-45 Minuten, in denen der Braten von roh-rosa-saftig-trocken sein kann. Das ist insofern eher Glückssache, als dass man nicht unbedingt weiß, von was für einem Tier (z.B. Alter, Geschlecht, Futter) der Braten kommt. In diesem Fall wusste ich nicht einmal welchen Teil ich gebraten habe. Hand aufs Herz: Wer könnte mit all diesen Informationen schon die Garzeit genau angeben. Es sind immer nur ungefähre Richtwerte und eben Glück – die Erfahrung stellt sich ab dem dritten Braten ein.
Essbar ist er innerhalb dieser Zeitspanne allemal.

Weiterführende Gedanken
So ein Schweinebraten ist vielseitig verwendbar und auf viele Arten zubereitbar. Zunächst greife ich mal den Gedanken der Zeit raubenden Beilagen auf: Wenn Sie Röstgemüse gleich mit in den Ofen geben, haben Sie entweder fertiges Gemüse zum Braten oder die Basis für eine Sauce, wer mag sogar beides. Wenn Sie es mittelmeerorientiert mögen, verwenden Sie viele Kräuter für die Sauce und essen Sie einfach Brot dazu: Sauce automatisch, Brot gekauft, Fleisch brät im Ofen. Einfacher geht’s kaum.
Kalt und in dünne Scheiben geschnitten ist es guter Aufschnitt für Sandwiches oder die Grundlage für eine Vorspeise, wenn Sie z.B. eine Vinaigrette auf die Scheiben träufeln, können Sie sicher einige „wie kreativ“ Aussagen einsammeln, abgesehen davon dass es gut harmoniert natürlich. Wenn man schon dabei ist, kann man ruhig in Klassikern wildern und Vitello Tonnato mit Schweinebratenscheiben machen.
Natürlich kann man auch alles wieder aufwärmen oder in Streifen schneiden und ein geschnetzeltes machen. Auf jeden Fall lohnt sich ein Schweinebraten auch ohne große Gesellschaften.

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